Monika Hauser – Ein Portrait

» Frieden gibt es nur mit Frauen «
Patricia Hecht, taz

Zum Film

Ein filmisches Portrait der Gründerin von medica mondiale und Trägerin des Alternativen Nobelpreises Monika Hauser. Seit 25 Jahren kämpft die Frauenärztin Monika Hauser lokal und international für die traumatisierten Opfer, denn jeder Krieg ist auch ein Krieg gegen Frauen.

Der Film folgt Monika Hauser bei einem Rückblick auf ihr Werk und begleitet sie in ihrem Arbeitsalltag. Dabei bleibt er immer nah an ihrer Person und lässt uns teilhaben an den Motiven und dem Engagement dieser mutigen Frau.

Monika Hauser ist in der Schweiz geboren, der Heimatort ihrer Eltern – das Bergdorf Laas im Vinschgau in Südtirol – ist auch Sehnsuchtsort für Monika, die mit ihren Eltern und ihrer Schwester oft zu Besuch ist. Ihre Großmutter Elsa erzählt von Übergriffen, die sie durch ihren Ehemann (für Monika der geliebte Großvater) erlebt hat. Und bittet ihre Enkelin um Verschwiegenheit.

“Ich habe schon früh verstanden, dass Frauen und Gewalt zusammengehören.”

Die angehende Frauenärztin Monika Hauser liest 1992 im Stern einen Artikel über die Massenvergewaltigungen von Frauen und Mädchen in bosnischen Lagern – und reagiert: Sie bricht nach Bosnien auf, will sofort helfen. Kein einfacher Weg: Behörden und Organisationen verweigern die Unterstützung. Vor Ort herrschen Ablehnung und Verachtung der Männer, Schweigen bei den Frauen. In Zenica, einer kleinen Stadt in Zentralbosnien, öffnet schließlich im Frühjahr 1993, noch mitten im Krieg, das weltweit erste Zentrum für kriegstraumatisierte Frauen. Hier werden sie einfühlsam medizinisch und psychologisch betreut werden. Dies ist der Anfang von medica mondiale.

Heute ist medica mondiale weltweit tätig: Auf dem Balkan, in Ruanda, in Liberia, in Guatemala, in Afghanistan – um nur einige Länder zu nennen.

Seit 2008 gilt für den UN-Sicherheitsrat sexuelle Gewalt in bewaffneten Konflikten als eigener Straftatbestand. Eine historische, seit langem überfällige Entscheidung. Für Monika Hauser Bestätigung und Ansporn, wie auch der Right Livelihood Award, der Alternative Nobelpreis, den sie 2008 für ihr Engagement erhalten hat.

 

 


Monika Hauser

Monika Hauser ist eine der großen Persönlichkeiten unserer Zeit:

Als Frauenärztin, die Ende der 1980er Jahre frauenfeindliche Zustände in Südtiroler und deutschen Geburtsstationen und Gynäkologien anprangerte (»Rote Hexe« wurde sie von Ärzten und Ehemännern genannt, weil sie immer wieder eine sensible Behandlung der Patientinnen einfordert[1]), als Pionierin der ganzheitlichen Unterstützung  für weibliche Gewaltopfer in Kriegsgebieten über sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg schon während des Bosnienkriegs, als international bekannte Frauenrechtlerin, die mit ihrer mittlerweile weltumspannenden Organisation medica mondiale, sich für die Belange (nicht nur) von Frauen in Kriegs- und Krisengebieten einsetzt.

In jedem Krieg werden Frauen und Mädchen vergewaltigt, verletzt, verstümmelt. Die massenhaften Vergewaltigungen von Frauen sind eine besonders grausame Kriegswaffe und eine erschreckende Alltagserfahrung für viele Frauen, mit verheerenden, langfristigen Folgen. Sie können über ihre traumatischen Erfahrungen nicht sprechen, werden ausgestoßen und gedemütigt – in der Familie, von den Behörden, auf der Flucht, im Exil. Auch nach dem Krieg ist für die Betroffenen das Trauma noch lange nicht vorbei. Wunden heilen nicht, sie bleiben ein Leben lang.

Dies wiederholt sich nun seit Tausenden von Jahren. In so gut wie jedem Krieg.

„Die Verbrechen gegen Frauen beeinflussen und prägen ihre individuelle Biographie in entscheidender Weise genauso wie diese Verbrechen gegen sie die Politik, die Geschichte und das soziale Gefüge einer Gesellschaft beeinflussen: was ist Geschichte, was ist Historie, was zählt? Die mit oder die ohne die Erfahrungen der Frauen? Was bedeutet es, wenn uns viele Frauen schreiben, dass sie »darüber noch nie zum jemand sprechen konnten«, was sind ihre Erinnerungen wert? Was bedeutet es für das Individuum und was für das Kollektiv, dass Frauen »darüber« nie sprechen konnten, die traumatischen Auswirkungen aber bis heute in dieser Gesellschaft wirken?“

(Hauser, Monika: Thematische Einführung »Das ewige Tabu«. Vortrag (Berlin, FES, 10.8. 2006). S. 6-7)

Immer wieder eröffnete sie politische und gesellschaftliche Diskurse, wie die Kampagne »Zeit zu sprechen«, die die Vergewaltigungen während des und nach dem Zweiten Weltkrieg und ihre Auswirkungen bis heute thematisiert. Monika Hauser prangert die Straffreiheit bei Vergewaltigungen  an und fordert gemeinsam mit anderen Frauenrechtsaktivistinnen immer wieder Präventionsmaßnahmen zum Schutz von Frauen und Mädchen in Konfliktgebieten.

Zu den jüngsten politischen Erfolgen gehört die Einführung eines Rentenanspruchs im Kosovo (2018) und in Bosnien-Herzegowina (2006) für die in den Kriegen der 1990er Jahre vergewaltigten Frauen.

[1] Quelle: http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/monika-hauser/, Aufruf 1.11.2017

 

 


Pressestimmen

„Ich habe Monika Hauser kennengelernt als hoch engagierte Kämpferin fĂĽr Frauenrechte und fĂĽr Ăśberlebende sexualisierter Kriegsgewalt. Empathie, Verbundenheit mit den Betroffenen und Beharrlichkeit zeichnen die mutige Ă„rztin und die mittlerweile 25 Jahre währende Arbeit ihrer Organisation medica mondiale aus.“

Prof. Rita SĂĽssmuth
Bundestagspräsidentin a.D.

„Ich engagiere mich schon lange fĂĽr medica mondiale, weil täglich Frauen in Kriegsgebieten unfassbaren Grausamkeiten ausgesetzt sind. Wir mĂĽssen weltweit politischen Druck auf die Verantwortlichen ausĂĽben, damit das endlich ein Ende hat.“

Bettina Böttinger
Moderatorin, Produzentin, Journalistin

„Die Welt braucht mehr Menschen wie Monika Hauser und ihre Mitstreiter bei medica mondiale. Menschen, die die Kraft und den Willen haben, sich fĂĽr die Rechte und das Wohlbefinden von Frauen und Mädchen, die grausamste Gewalt erlebt haben und noch immer erleben, einzusetzen.“

Jakob von UexkĂĽll
BegrĂĽnder des „Alternativen Nobelpreises“ und Initiator des Weltzukunftsrates

„Frieden gibt es nur mit Frauen“
Klar, auch Frauen führen Kriege. Doch gäbe es mehr weibliche Entscheiderinnen, könnten viele Konflikte nachhaltiger gelöst werden, sagt Monika Hauser.

Patricia Hecht, taz

 

Crew

Regie, Drehbuch & Montage Evi Oberkofler & Edith Eisenstecken
Kamera

Carla Muresan, Sanne Kurz, Judith Benedikt, Thomas Bresinsky, Jochen Unterhofer, Ralph Netzer & Daniel Mazza

Ton

Peter Kautzsch, Fabian Runtenberg & Martin Fliri

Licht Alexander Vexler & Alexander Erlacher
Sounddesign Sören Blüthgen
Musik

Elena Kats-Chernin & Iva Bittová

Color Grading

Florian Geiser

Produzentin

Marieke Schroeder

Produktion

Thali Medien GmbH Produktion

Produktion wurde gefördert von

IDM Südtirol / Alto Adige – Film Fund Commission,
Amt fĂĽr Film und Medien der Autonomen,
Provinz Bozen / Region Trentino-SĂĽdtirol,
ZDF, 3Sat & RAI SĂĽdtirol,
Fondazione ALEXANDER LANGER Stiftung,
ERNST GĂ–HNER Stiftung,
Kanton St. Gallen Kulturförderung

barnsteiner-film wurde gefördert von MFG Film- und Medienförderung B-W

Technische Daten

Länge 86 Minuten
Produktionsland Deutschland
Produktionsjahr 2016
Format DCP, Farbe, 1:1.8
Ton Dolby Digital
Sprachfassungen Deutsch mit UTs
Originalsprachen Bosnisch, Englisch, Serbisch, Deutsch

Pressematerial

Presseheft
Kinotrailer, etc. bei Eclair
Bilder, etc. direkt ĂĽber uns: presse@barnsteiner-film.de

 

Kontakte

Presse & Verleih

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