Folge meiner Stimme – Were Denge Min

» Entschleunigtes Drama über den absurden Wahnsinn von Krieg, militärischer Gewalt und der Unterdrückung einer Minderheit im eigenen Land «
Nürnberger Nachrichten

Zum Film

In einem fernen kurdischen Bergdorf im Osten der Türkei, geraten die alte Berfe und ihre Enkelin Jiyan in Schwierigkeiten, als ihr Sohn und Vater Temo, einziges männliches Mitglied des Haushalts, mit allen anderen jüngeren Männern des Dorfes vom türkischen Militär verhaftet wird. Der kommandierende türkische Offizier hatte die Information, dass in jedem Haus des Dorfes Waffen versteckt seien.

Jeder Gefangene kommt frei, sobald die Angehörigen ein Einsehen haben und die versteckten Waffen abgeben. Das Problem ist aber, dass es gar keine versteckten Waffen gibt!

Jede Familie sucht nach einer Lösung und so mancher betreibt sein eigenes Geschäft mit den Unwissenden. Auch Berfe und Jiyan machen sich in ihrer Verzweiflung auf den Weg eine Waffe zu finden, um Temo aus den Händen des Militärs zu befreien.

Die Suche nach dieser Waffe wird zur Geschichte eines alten kurdischen Märchens: Zur Geschichte des Fuchses …

 

FSK ab 6 Jahren / Empfohlen ab 9 Jahren

 

 


Directors Statement Hüseyin Karabey

Ihr Film beginnt als Geschichte an einem Erzählabend eines Dengbej (kurdischer Erzählbarde). Können Sie uns etwas zu diesem kulturellen Aspekt erzählen?

Die kurdische Kultur basiert auf mündlicher Überlieferung. Der „Dengbej“, der ein reisender Geschichtenerzähler ist, ist dem Grunde nach ein Landarbeiter mit einem unerhörten Erinnerungsvermögen  und einer sehr schönen Stimme. Sie sind eigentlich Nomaden, reisen von Dorf zu Dorf und dienen oft auch als Vehikel für die unterdrückten Stimmen des Volkes. Sie helfen unserer Kultur zu leben, unsere Geschichte zu bewahren und unsere Erinnerung letztlich auch dadurch lebendig zu erhalten, dass sie die epischen Gedichte innerhalb der Landbevölkerung weitererzählen.   

Was hat Sie dazu veranlasst die Geschichte von Befre und Jiyan durch die Brille eines Dengbej zu erzählen?

Das ist ein erzählerischer Kunstgriff, um ein Märchen erzählen zu können. Die Geschichte des Films wird immer wieder von Liedern der Dengbejs, von den Figuren erzählten Anekdoten, alles in kulturell typischer Weise, unterbrochen.  Dieser Weg ermöglichte es mir über eine sehr harte Realität zu berichten. Hierdurch wird ein größer Abstand und eine Objektivität erreichbar und gleichzeitig ein „populärer“ Aspekt eröffnet.  Übertragungen werden einfacher und der Film, selbst wenn sie auf harten Fakten basieren, kann so von einem breiterem Publikum angenommen werden.

Dies ist ein Film über die harsche Realität des kurdisch-türkischen Konflikts, aber er trägt auch komödiantische Elemente in sich. Was möchten Sie uns über diesen Krieg erzählen?

In den letzten 30 Jahren hat ein anhaltender, „versteckter“ Krieg in der Türkei stattgefunden. Von diesem ging und geht großes Leid aus. Ich will durch Großmutter Berfes Geschichte die Absurdität dieses Krieges zeigen. Es gibt eine Vielzahl von tragikomischen Situationen in dem Film: zum Beispiel, wenn die politische Entscheidung eines „Hochoffiziellen“ nicht  eine einzelne Person, sondern eine Gruppe betreffen. Der Kommandeur beschließt ein gesamtes Dorf zu bestrafen, weil er der Überzeugung ist, dass dort Waffen versteckt werden.  Am Ende wird diese Entscheidung nicht das Problem lösen, sondern die gesamte Situation des Dorfes verschlimmern wie nie zuvor.

Wie können Filme den Frieden unterstützen?

 Ich glaube, wenn ich es erreiche, diese tragikomischen Geschichten über diesen furchtbaren „versteckten“ Krieg anderen Menschen zu erzählen, so kann ich vielleicht in anderen Regionen dieser Welt Empathie für die Menschen in Kurdistan wecken. Menschen, die unter dieser Situation gelitten haben und immer noch leiden. Darüber hinaus, kann vielleicht das Teilen des Wissens um diese Situation eine Lösung des Konflikts herbeiführen.

Das zentrale Element des Filmes ist eine Waffe, aber ironischer Weise, im Gegensatz zur Regel Chekhovians, braucht es sie am Ende nicht. Warum?

 Ich wollte ein Bild von Waffen als einfache, sogar erbärmliche Gegenstände schaffen. Wenn Oma und Nichte ein Gewehr suchen, dann wird aus diesen gewalttätigen Waffen in ihren Händen etwas anderes. Sie wissen nicht, wie man sie bedient, sie haben kein Verlangen nach ihnen oder ihrem Gebrauch, sondern sie wollen sie lediglich als Werkzeug nutzen, um Temo zu retten.

Zu guter Letzt was wollen Sie noch anfügen?

 Der Film erzählt die Geschichten von einfachen Charakteren, denen wir in der Regel selten auf der Leinwand begegnen. Ich bin nicht darauf aus, eine rücksichtslose politische Meinung über die Situation abzugeben, weil wir alle wissen, dass eine schlechte Situation Verluste und Leid auf beiden Seiten beinhaltet. Deshalb bevorzuge ich eine Geschichte die beides mit sich bringt: Lachen und Tränen. Und hoffentlich genug geistige Anregung für das Publikum bietet, um weiter nachzudenken, wenn es das Theater verlassen hat. Und ich hoffe ernsthaft, dass die Reise der beiden Frauen und der blinden Dengbejs es uns ermöglicht, viele Dinge über uns selbst und die Welt, in der wir leben, zu entdecken

 


Pressestimmen

Mit leiser Poesie erzählt der kurdisch-türkische Regisseur Hüseyin Karabey davon, wie die kurdische Bevölkerung der Türkei unterdrückt wird. Erstaunlich, wie gefasst die Menschen die alltäglichen Schikanen ertragen. Dritter Hauptdarsteller ist die wunderschön fotografierte, archaische Landschaft. (…) ein schöner Film. „

Filmdienst

Statt den Film zu synchronisieren, führt eine Erzählerin durch die poetische Handlung – wie weiland die Filmerklärer im Stummfilmkino. Das ist charmant und funktioniert auch überraschend gut“

Nürnberger Nachrichten

„Hüseyin Karabey kann eine traurige Geschichte poetisch erzählen, und in großartiger Landschaft liegt sie außerdem.“

Süddeutsche Zeitung

„Diese bildschöne, preisgekrönte Parabel handelt zwar von der Unterdrückung der Kurden, betreibt aber keine Schwarz-Weiß-Malerei. Doch letztlich sind es die Frauen, die Hoffnung auf ein Ende des Konflikts machen.

Publik-Forum

Festivals

Istanbul Film Festival, Türkei 2014 Audience Award, Best Music Award, CineEurope Award
IFF Berlin – Berlinale 2014 Uraufführung
Milano Film Festival, Italien 2014 Audience Award
Mar de Plata IFF, Argentinien 2014 Best Film Award, Audience Award, Special Mention Award
Brussels Mediterranean FF, Belgien 2014 Jury Award + Press Critics Award
Anchorage IFF, USA 2014 Runner-up Feature Film Award
Garden State FF, USA 2015 Best International Feature Film Award
Sofia IFF, Bulgarien  Best Balkan Film Award
Maine IFF, USA 2015 Audience Award
Duhok IFF, Irak 2015 Best Actresses Award
Edirne IFF, Türkei 2015 Best Script Award, Jury Special Price
und weitere Festivals…  

Crew

Regie Hüseyin Karabey
Drehbuch Huseyin Karabey & Abidin Parilti
Kamera Anne Misselwitz
Schnitt Baptiste Gacoin
Szenenbild Fatih Özçelik & Hülya Karakaş
Kostümbild Filiz Karaldi
Musik Serhat Bostanci, Ali Tekbaş & A. Imran Erin
Visuelle Effekte Walter Just & Bernhard Näther
Sprecherin Meral Perin
barnsteiner-film wurde gefördert von Mitteldeutschen Medienförderung mdm
Mit Feride Gezer (Berfe), Melek Ülger (Jiyan), Tuncay Akdemir (Temo), Muhsin Tokçcu (Alter Dengbej) u.a.

Technische Daten

Länge 105 Minuten
Produktionsland Türkei, Deutschland
Produktionsjahr 2014
Format DCP, Farbe, 1:1.8
Ton Dolby Digital
Sprachfassungen Deutsche Overvoice
Originalsprachen Türkisch, Kurdisch

Pressematerial

Website zum Film Presseheft
Pädagogisches Begleitmaterial Filmheft

 

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