» Ein phantastischer Film,…vielleicht sogar das perfekte Kunstwerk.«
Dirk Lottmann, taz.de

Zum Film
Am 20. November 1971 möchte Klaus Kinski die „erregendste Geschichte der Menschheit“ erzählen – das Leben von Jesus Christus.
Doch er kommt nicht dazu. Das Bühnenprogramm des skandalumwitterten Schauspielers wird durch Zwischenrufe unterbrochen – von einem Publikum, das sich keine Predigt anhören, sondern diskutieren will.
Jesus Christus Erlöser von Peter Geyer zeigt einen tumultartigen Abend gegenseitiger Beschimpfungen, das Ringen eines Schauspielers um seinen Text, ein Theater- Happening in einer autoritätskritischen Zeit und das grandiose Scheitern einer literarischen Weltverbesserungsmaßnahme.
HintergrundÂ
Jesus Christus Erlöser ist ein für deklamatorische Rezitation geschriebenes Stück von Klaus Kinski. Es enthält insbesondere aus dem Neuen Testament übernommene Reden Jesu. Seine Uraufführung 1971 war von störenden und kontroversen Publikumsreaktionen sowie verbalen Ausfällen Kinskis begleitet.
Schon seit über zehn Jahren hatte sich Kinski mit dem Thema Jesus Christus beschäftigt. In seiner Autobiografie 1991 schrieb er rückblickend: „Ich bin gekommen, die erregendste Geschichte der Menschheit erzählen: Das Leben von Jesus Christus. […] Ich spreche von dem Abenteurer, dem furchtlosesten, freiesten, modernsten aller Menschen, der sich lieber massakrieren läßt, als lebendig mit den anderen zu verfaulen. Ich spreche von dem Mann, der so ist, wie wir alle sein wollen.“ Sein Text umfasste 30 Schreibmaschinenseiten und sollte in etwa 90 Minuten vorgetragen werden.
„Eigentlich hätte ein antibürgerlicher Schreck wie Klaus Kinski an diesem Abend leichtes Spiel haben müssen mit seinem Publikum, zumal seine Interpretation des Textes vor allem die radikalen, anti-institutionellen und revolutionären Aspekte von Jesus Christus betont. Doch weit gefehlt: Von Anfang an wird Kinski vom Publikum systematisch beleidigt und provoziert, mit vor allem ihre eigene Spießigkeit entlarvenden Aussagen wie „Du hast doch selbst nie gearbeitet“, „der hat doch schon seine Million“ und andere Zwischenrufe demontiert und schließlich von einem pseudorevolutionären Mob als „Faschist“ beschimpft. Kinski, nicht gerade bekannt für einen sonderlich sensiblen Umgang mit dem Publikum, pöbelt auf gewohnte Weise zurück, verlässt mehrmals die Bühne und kann seinen Text erst nach mehreren Stunden vor einem Häuflein Verbliebener zu Ende bringen. Es war ein Desaster, vor allem für Kinski selbst, der diesen Vortrag stets als seinen wichtigsten empfand.
In scheinheiliger Allianz mit den Provokateuren ergeht sich die Presse in den folgenden Tagen in Hohn und Spott über den ungeliebten Schauspieler, verschweigt die Vorfälle, die zum Chaos geführt hatten und treibt die Demontage Kinskis weiter voran. Schließlich bittet sein Veranstalter um Entlassung aus dem Vertrag und muss kurz darauf Konkurs anmelden – zur geplanten Welttournee mit mehr als hundert Auftritten rund um den Globus kam es nicht mehr. Und rund einen Monat später kommt es zum letzten Kinski-Auftritt auf der Bühne überhaupt – der Deklamator passt offensichtlich nicht mehr in die neue Zeit.
Dass der denkwürdige Abend überhaupt aufgezeichnet wurde, ging auf Initiative Kinskis zurück, aus im Archiv des Schauspielers lagernden 134 Minuten Material schnitt dessen Nachlassverwalter Peter Geyer 84 hoch spannende und entlarvende Minuten zusammen, die vieles sind: Porträt eines getriebenen, exzentrischen, verletzlichen Schauspielers, der wie kein zweiter erlitt, was er vortrug, der keine Grenze zwischen Kunst und Leben mehr kannte. Mehr Kinski hat man kaum je gesehen. Zugleich und quasi nebenbei ist der Film die messerscharfe Analyse einer wilden und bewegten Zeit, in der man meinte, alles ausdiskutieren zu müssen, Lehrstück über die Kunstfeindlichkeit vermeintlich progressiver Kräfte in Deutschland und zuletzt eine überaus faszinierende Auseinandersetzung mit dem Thema Jesus.
Und bei allen Vorbehalten, die man diesem Mann aus gutem Grunde entgegenbringt – wann sah man je wieder so ein Charisma, so eine Leidenschaft, solch eine Einsamkeit auf der Bühne? Und Tränen der Erschöpfung und der Enttäuschung, die Kinski ganz am Ende vergießt, als nach stundenlangem Tauziehen, nach Beschimpfungen und Störungen der Text, mit dem er so rang, endlich vollbracht ist. Ecce homo – Seht her, was für ein Mensch!“
Pressestimmen
Christian Horn, filmstarts.de
Jenny Zylka, Der Tagesspiegel
Dennis Lim, The New York Times
Else Buschheuer, westropolis.de
Crew & Cast
| Regie | Peter Geyer |
| Produktion | Kinski Productions, Peter Geyer |
| Schnitt | Peter Geyer, Konrad Bohley, Michael Dreher |
| Ton | Jürgen Swoboda, Joschi Kaufmann, Stephan Radom, Stefan Kolbe |
| Musik | Florian Käppler, Daniel Requardt |
| Mit Klaus Kinski und Publikum | |
Technische Daten
| Länge | 84 Minuten |
| Produktionsland | Deutschland |
| Produktionsjahr | 2008 |
| Format | DCP, Farbe, 1:1,85 |
| Ton | Dolby Digital |
| Originalsprache | Deutsch |
| FSK | freigegeben ab 12 Jahren (PG) |
Pressematerial
| Plakat & Bilder (auch 300dpi) |






